Sonntag, 1. Oktober 2017

Zeichne ein Zeichen


Bitte zeichne mir Zeichen, sage ich, wie ein kleiner Prinz mal sagte "bitte zeichne mir ein Schaf". Und ich warte, warte in der alten Stadtmitte, an der Schwarzen Kirche
Schwarz heißt sie nicht, weil man, bis man schwarz wird, warten soll. Seit dem Feuer heißt sie so, dem großen Brand vor fast 330 Jahren, den wohl die Habsburger legten. Und wenn auch die letzte Sanierung Ruß abwusch; an mancher Stelle, mancher Seitenpforte zeigt er sich noch. 
Nein, schäfchenweiß, wie viele andere Kirchen, ist die Schwarze Kirche nicht.  
Und warte ich lange? Weiß nicht. Anders rauschen die Brunnen, anders rinnt hier die Zeit. 
Ein erster Baum plötzlich ohne Blätter. 
Ein Frostbiss gegen Morgen. 
September schon wieder vorbei. 
Dann: Linien oben. Was wollen sie zeichnen, Wolkenschaf? Wahlzettelkreuz? Ein V, ein X, ein U über der evangelischen Kirchentagskirche im orthodoxen Rumänien? 
Oder... Fische, zwei, ur-schlicht spitzmäulig küssend? 
Einen Schmetterling? Kopflosen Engel? 
Nein. Entschuldigung. Engelkopf wartet, und wie guten Muts, schon an der nächsten Seitenpforte. 
Gerade gegenüber von... 
...nächsten Zeichen, Wand-hoch zusammengesteckten.
Wo nun also, was, wohin? Weiß nicht schon der kleine Prinz, dass es klug sein kann, nicht alles gar so genau mit den Augen zu wissen?
Zeichen von Arbeit jedenfalls, ja, gab es immer wieder. Wie das so ist, miles to walk noch Tage und Stunden vor dem Termin, vor dem Fest. Sandberge, Kieslaster auf dem offenen Kirch-Schul-Hof, Tuckern, Rattern, Schütten, mitten in der großen Pause.
Auch angestrichen hastig noch. Nicht potemkinsche Straßenzüge bis hin zu Marktobst aus Holz und Farbe, wie vor 30 Jahren für den Conducator. Aber neben neuem Kies gibt es an der Kirche ein Festzelt, natürlich.
Und Pinsel-Jagd vorher, auf Graffitizeichen.
Eins aber... überlebt.
Genau an der Kirchenmauer.
Gesegnet von höchster Stelle.
Ganz offenbar.
So wie, so oft, Musik. Gerade hier, in dieser Stadt.
Eine "Messe von Kronstadt" , nicht nur in, auch vor der Schwarzen Kirche zu erleben am Uraufführungsabend, dem 30. September. "Credo unum deum", geschrieben von fünf Komponisten aus unterschiedlichen Religionen und Orten. Und, ohne Berge einmal, ohne Blasmusik, ein sehr gegenwärtiges, bewegendes Stück Siebenbürgen. Wie die vielen teilnehmenden Musiker auch.

Drüben aber, wo er immer hinzeigt, der lange Arm des eben so reformations-gefeierten Honterus?
Da ist keine Kirche, sondern eine Schule. Auch das ein Zeichen. Das sehr zu deuten wohl diesen Prinzen-kleinen Zeichen-Traum sprengt. 
Und dort, wo jedenfalls der Ärmel hin-weist: in der oberen Etage, in der Aula des Honteruslyzeums, da ist an einem Montag Stadtschreiberinnen-Verabschiedung. Zum Hören und Sehen, mit Wort und Bild und auch Radiokunst. Schulpassend, mehr oder minder, zu einer mittäglichen Schulstundenzeit. Dabei offen für jeden. So steht es hier oder auch hinten hier.

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